IT-Restrukturierung: Dringender Handlungsbedarf
Im Jahr 2000 war es offenkundig geworden, dass die IT des Landeskrankenhauses Klagenfurt nicht mehr den zeitgemäßen Anforderungen einer modernen Informationstechnologie entspricht und auch nicht weiter entwickelbar ist. Umfassende IT-Sicherheitsüberprüfungen ergaben, dass mitunter erschreckende Ergebnisse im Hinblick auf die Datenzugriffszeiten, auf geschützte Datenbereiche wie auch auf die Betriebssicherheit der Infrastruktur allgemein festzustellen waren.
Die wesentliche Aufgabe bestand nun darin, ein über Jahre hinweg gewachsenes, unkoordiniertes Infrastruktur-Umfeld auf homogene, leistungsfähige und für die Zukunft skalierbare Plattformen und Systeme zu migrieren. Vor allem das Netzwerk (Token-Ring-Technologie) stellte zu diesem Zeitpunkt ein sehr heterogenes, schlecht funktionierendes Stückwerk dar. Eine weitere Schwachstelle bildete der IT-Wildwuchs im LKH: So mangelte es beispielsweise an den entsprechenden Räumlichkeiten und Sicherheitsvorkehrungen eines üblichen Rechenzentrums. Auch die Server waren - über das Gelände verteilt - in Räumen untergebracht, die wenig bis teilweise gar nicht geeignet waren, um einen Rund-um-die Uhr-Betrieb zu gewährleisten. Schließlich basierte die Client-Ausstattung (OS/2-PC) auf einer überholten Technologie.
Der Aufsichtsrat folgte der Empfehlung des IT-Leiters der KABEG, Dipl.-Ing. Herwig Wetzlinger, ein umfassendes, ganzheitliches Gesamtkonzept zu entwickeln, statt weitere isolierte Realisierungsschritte zu unternehmen. Innerhalb weniger Monate wurde eine Detailanalyse erarbeitet, die den Nachweis erbrachte, dass die vorgeschlagene Gesamtkonzeption die gewünschte Zielsetzung erfüllt. Erstmals war nunmehr auch eine Gesamtkostensicht erreicht, wobei sichergestellt war, dass die Folgekosten in der geplanten Höhe blieben. Von Beginn an wurde auch die LKH Wolfsberg bereits in eine systemtechnische Konzeption eingebunden, damit später übergreifende Plattformen und IT-Ressourcen gemeinsam nutzbar würden.
Projektstufen: Zügige und zeitgenaue Umsetzung
Gemäß dem vereinbarten Zeitplan wurden im Dezember 2000 die projektierten Maßnahmen vom Aufsichtsrat bestätigt, sodass in dieser Phase eine öffentliche Ausschreibung für die vier Bereiche erfolgen konnte:
- Umstellung auf Windows 2000 im File-Server-Client-Bereich (einschließlich eines umfassenden Speicher-Managements über SAN - Storage Area Network)
- Adaptation des Netzwerks
- Austausch der PC und Standardisierung der Client-Seite
- Server-Konsolidierung auf UNIX-Basis (AIX-Server mit zentraler Datensicherung)
Im Juni 2001 wurden die Aufträge dann nach einer europaweiten Ausschreibung "mit durchaus namhafter Beteiligung" (so Projektleiter Ing. Josef Walgram) vergeben. COMPAREX erhielt den Zuschlag für das Teilprojekt W2K/SAN.
Das Projekt wurde in der Koordination der vier Bereiche zügig ausgeführt, wobei die Arbeiten planmäßig abgewickelt wurden. Herwig Wetzlinger ist zufrieden: "Die vorgegebenen Zieltermine und Detailpläne wurden im vollen Umfang eingehalten." Zeitgerecht Ende 2001 war damit der Großteil der zentralen Maßnahmen abgeschlossen. Das LKH Klagenfurt ist derzeit mit dem Rollout zur Umstellung der Client-Stationen und weiter mit Systemmanagement und Helpdesk-Installation beschäftigt. Das Gesamtprojekt wird planmäßig Mitte 2002 abgeschlossen sein.
Lösungsschwerpunkte: Storage Management und Vereinheitlichung
Die Krankenanstalten müssen durch den Einsatz vieler bildgebender Verfahren (Magnetresonanz-Tomografie, Computer-Tomografie, Einbindung des Unfallröntgens) sowie durch weitere digitale medizintechnische Geräte riesige Datenmengen aufnehmen, speichern und zentral verwalten, deren Steigerungen in Größenordnungen von Gigabyte (GB) bis Terabyte (TB) anfallen. Der Speicherbedarf von zuvor zirka 1.500 GB ist 2001 auf rund 5.000 GB angewachsen. In den folgenden Jahren ist mit Zuwachsraten von zirka 40 Prozent zu rechnen, da künftig jährlich 35.000 Röntgenbilder, 3.000 CT-Aufnahmen und 2.000 MR-Studien erstellt werden dürften - Massendaten mit steigender Tendenz. Noch sind keine datenkomprimierenden Verfahren in der Medizintechnik im Einsatz, und auf der anderen Seite ist für die Verwaltung eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist von 10 - 30 Jahren zu gewährleisten.
Die neue IT-Infrastruktur soll darüber hinaus Vorreiter der Vereinheitlichung der technischen Ressourcen sein; für später ist auch eine organisatorische Zusammenführung zur besseren Ausnutzung der IT-Ressourcen ins Auge gefaßt, so dass dann standortübergreifend ein IT-Service-Geber vorhanden ist. Auf diesem Weg sind Stabilität, Kostensicherheit und Leistung im IT-Sektor zu erreichen. Diese Entwicklung dürfte auf eine personelle und technische Konzentration an zwei (Klagenfurt/Villach) oder gar einem Standort hinauslaufen.
Nutzenaspekte: Betriebssicherheit und Effizienz
Der Zwang zur Investition war massiv. Die Einheitlichkeit der gewählten Lösung lässt aber eine Einsparung von Folgekosten im Wartungs- und Betreuungsbereich erwarten. Dazu wird das knappe Experten-Know-how effektiver eingesetzt.
Dem operativen Betrieb werden früher aufgetretene Störungen der Stabilität wohl erspart bleiben. Herwig Wetzlinger erinnert sich: "Wir hatten im August 2000 eine Situation, in der wir nahezu drei Tage mit einem kompletten IT-Ausfall infolge eines Netzwerk-Fehlers leben mussten. Im Krankenhaus-Bereich ist eine solche Situation jedoch nicht tragbar." Erste Rückmeldungen jetzt, beispielsweise der techniklastigen Radiologie, zeigen, dass die Antwortzeiten nunmehr sehr zufriedenstellend sind, Stabilität gegeben ist und Zufriedenheit herrscht.
Im Bereich der Betriebssicherheit wurde der Zugriffsschutz enorm verbessert. Das vormalige WAN - Wide Area Network war Teil des öffentlichen Netzwerks, das über alle Bezirkshauptmannschaften, also alle öffentlichen Verwaltungsstellen in Kärnten, gezogen war. Das heutige WAN ist mit einer umfassenden Firewall versehen, sodass der Zugriffsschutz von außen sichergestellt ist; interne Problemfälle des Datenschutzes werden dagegen über die einzelnen Applikationen vermieden.
Perspektive: LKA-Gesamtlösung
Das Gesamtvolumen der Investitionen liegt bei ca. 140 Mio. Schillingen, über zwei Jahre verteilt. COMPAREX hat dabei mit Speichermanagement und Windows-2000-Umstellung den größten Anteil am Projekt realisiert. Herr Wetzlinger bestätigt die Termingenauigkeit und fachliche Kompetenz des Partners: "Unser Vorteil war, dass das Projekt termingetreu abgewickelt wurde, obwohl es ohne Zeitreserven angelegt war. Darüber hinaus ist die fachliche Qualifikation der COMPAREX-Mitarbeiter zu loben." In der Administration besteht zunächst die heterogene Systemlandschaft weiter, bis in einem zweiten Schritt die Applikationen migriert werden sollen. Das betrifft nicht nur die medizinischen Prozesse, sondern auch die Einführung von SAP, produktiv für den 1. Januar 2003, vorgesehen.
Termingetreu trotz fehlender Zeitreserven
Die eingesetzte Technologie basiert auf EMC-Produkten, die auch eine Spiegelung der Daten zulassen. Am Standort Klagenfurt ist die volle Ausfallsicherheit durch redundante Systeme gegeben, während die Ressourcen in Wolfsberg in bezug auf die Datenredundanz so eingeteilt sind, dass dort eine Spiegelung der Daten über das WAN (SRDF over IP) vorgenommen wird. Ähnliches ist für die weiteren Standorte geplant, weil die Schaffung von Hardware-Redundanz an jedem Standort zu kostspielig wäre.
Der Handlungsbedarf in den übrigen drei Landeskrankenanstalten wird in einem weiterführenden Projekt behandelt. Dabei wird die KABEG den einheitlichen Einsatz der Systeme mit gemeinschaftlichen Ressourcen vorgeben. Die strategische IT-Architektur und der Bebauungsplan sollen dann krankenanstaltenübergreifend abgestimmt und festgelegt werden.
KABEG: Holding der Kärntner Landeskrankenanstalten
Die KABEG, als Rechtsträger für die Betriebsorganisation, betreut in Kärnten fünf Landeskrankenanstalten und kleinere Krankenanstalten, die nicht zu diesem Unternehmensverbund gehören. Die fünf großen Anstalten erbringen zirka 90 Prozent der gesamten Leistungen auf dem medizinischen Sektor. Die KABEG ist als eine strategische Management-Holding mit sechs Fachbereichen organisiert. Einer davon ist die Informationstechnologie, die in erster Linie die IT-Strategie festlegt und die Ausrichtung des IT-Einsatzes an den Unternehmenszielen und -prozessen gewährleistet, was auch Investitionsplanung und -umsetzung über (Multi-)Projektmanagement beinhaltet. Insgesamt steht ein kleiner Stab von Experten zur Verfügung. In Summe sind über alle fünf Häuser 55 Beschäftigte in der gesamten IT-Organisation tätig.
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