"Das Wichtigste war, dass der Kunde absolut nichts merken durfte von
der Übersiedlung, weder am Bankomat noch an den Kassen im Handel. Und
das ist gelungen", beschreibt Erwin Ziniel, Leiter Operating in der
Austrian Payment Systems Services (APSS), die Herausforderung der bis
ins kleinste Detail geplanten und erfolgreich umgesetzten Verlegung des
Rechenzentrums der APSS aus dem dritten Wiener Gemeindebezirk. Es
galt, bei voller Funktion die Zentraleinheiten an ihren neuen,
unabhängigen Standort zu bringen und gleichzeitig das Operating, also
die Rechenzentrumssteuerung, herauszulösen und in den bereits Monate
zuvor bezogenen Bürobetrieb im Floridotower zu integieren. Nach einer
fünfmonatigen Planungs- und Vorbereitungszeit konnte als letzte
Etappe der Umzug der Zentralrechner an nur einem Wochenende
vonstatten gehen, dabei konnte der Betrieb des Rechenzentrums plangemäß
aufrecht erhalten und die volle Verfügbarkeit der angebotenen Dienste
sichergestellt werden. Die komplette Transportlogistik wurde dabei von
COMPAREX konzipiert und erfolgreich abgewickelt. Die Übersiedlung des gesamten Unternehmens einschließlich des
Hauptrechenzentrums war nötig geworden, erklärt Ziniel, da die alten
Räumlichkeiten zu eng geworden waren und technisch nicht mehr
entsprochen hätten. Die Auswahl der neuen Standorte wurde dabei
speziell im Hinblick auf die Sicherheit und die Kosten der Verbindung
der Rechenzentren untereinander gewählt. Während das bereits seit jeher
getrennt untergebrachte Backup-Rechenzentrum an seinem nicht näher
bezeichneten Standort verblieb, wurde ein Teil des
APSS-Hauptrechenzentrums, nämlich der Großteil der Rechner, Server,
Roboter etc., an eine neue Örtlichkeit im neunten Wiener Gemeindebezirk
verlegt, wo sicherheitstechnisch optimale Bedingungen vorliegen. Der
andere Teil übersiedelte nach Floridsdorf in den erst kürzlich
errichteten Floridotower. Dort belegt die APSS jetzt vier Etagen
(rund 5.000 m2) im Flachbau des modernen Gebäudekomplexes. Von diesem
Bürogebäude erfolgt seit Juni 2003 die Steuerung der Rechenzentren im
24 Stunden Betrieb. Man hatte zwar auch die Komplettübersiedlung
überlegt, der Umbau des Floridsdorfer Standortes in ein
Hochsicherheits-Rechenzentrum hätte sich aber letztendlich als zu
aufwändig erwiesen, erläutert Ziniel.
Übersiedlung in drei Etappen
Bereits im Vorfeld wurde das bisherige Backup-Rechenzentrum, das in
der kritischen Phase des Transportwochenendes die Hauptlast der
Services ausfallsfrei sicherzustellen hatte, akribisch analysiert und
aufgerüstet. Die Übersiedlung selbst verlief in drei Schritten. In der
ersten Stufe erfolgte am 15. Juni 2003 der Umzug der gesamten PCs und
rund 25 Midrange-Server. In Phase zwei übersiedelten am 24. Juni die
Drucker - darunter auch ein Hochleistungsgerät mit über 1.000 Kilogramm
Gewicht. Schließlich wurden im dritten Schritt am Donnerstag vor dem
geplanten Umzugswochenende bereits alle Programme auf die
Backup-Location umgeschaltet. Dazu Ziniel zufrieden: "Als wir am
Samstag um 19 Uhr in der Hinteren Zollamtsstraße dicht gemacht haben,
ist alles klaglos in der zweiten Location weiter gelaufen." Bei
besagtem Samstag handelte es sich um das letzte Wochenende vor
Ferienbeginn. "Es durfte einfach nichts schief gehen", erklärt Ziniel
die Brisanz des Unterfangens. Der vielleicht einzige erleichternde
Umstand war, so Ziniel, das Transaktionsvolumen nach Ladenschluß am
Samstag: während die APSS üblicherweise fast eine Million Transaktionen
pro Tag bewältigt, sind es in der Nacht vom Samstag auf Sonntag nur
einige zehntausend.
Zwischen Samstag 22 Uhr abends und Sonntag, 8 Uhr früh wurden
mehrere hundert Datenleitungen mit unterschiedlichen Protokollen,
wie Datex-P, Standleitungen, Wählleitungen und ISDN-Leitungen,
von verschiedenen Providern umgeschaltet. Am Sonntagmorgen war dann die
komplette Verbindung mit dem zweiten Rechenzentrum hergestellt, und
bereits die heutige Situation als Dreiecksverbund verfügbar. Die
Steuerung der beiden Rechenzentren erfolgt von Floridsdorf aus. Die
beteiligten Standorte sind mittels Lichtwellenleitungen verbunden.
Dabei kommen aus Gründen der Ausfallssicherheit verschiedene Provider
zum Einsatz. Ziniel erklärt: "Wir fahren das eine Rechenzentrum mit der
Telekom, das andere mit Colt, und die Rechenzentren untereinander sind
mit mehreren Lichtwellenverbindungen verbunden."
Reibungsloser Ablauf
Einen wesentlichen Beitrag am reibungslosen Verlauf der Übersiedlung
leistete COMPAREX durch das zuvor erstellte Inventarium, also eine
detailliert und professionell durchgeführte Ist-Erhebung aller zu übersiedelten Komponenten.
Ziniel begeistert: "Jede Maschine hatte ihr eigenes Pickerl, auf dem
sowohl der zukünftige exakte Standort als auch der genaue
Übersiedlungszeitpunkt abzulesen waren." Weiters hatte COMPAREX
noch vor dem eigentlichen Umzug alle Lichtwellenverbindungen
durchgetestet. Damit wussten Ziniel und sein Team bereits vor der
Übersiedlung, dass alle Verbindungen physikalisch funktionierten.
Andernfalls wäre die Übersiedlung in der berechneten - und
unterbrechungsfrei haltbaren - Zeit nicht zu machen gewesen, erklärt
Ziniel.
Neben der Verantwortlichkeit für die Transportlogistik
übersiedelte COMPAREX in der Umzugsnacht auch die bei COMPAREX unter
Wartungsvertrag stehenden Geräte und sorgte dafür, dass sie am Morgen
betriebsfertig zur Verfügung standen.
Am Hauptumzug waren insgesamt rund 20 Techniker von 10
unterschiedlichen Firmen beteiligt, die die technischen Belange
innerhalb einer Nacht abwickelten und wie die Zahnräder eines Uhrwerks
präzise ineinander griffen. Der eigentliche Transport der Geräte und
Maschinen wurde von Spezial-Speditionen bewerkstelligt, die ihrerseits
einer minutiösen Planung unterlagen.
Die Entscheidung für COMPAREX begründete Ziniel damit, dass COMPAREX
einerseits das kaufmännisch beste Angebot gelegt hatte, vor allem aber
hatte die APSS bereits vor zwei Jahren bei einer
Rechenzentrumsübersiedlung sehr gute Erfahrung mit dem Unternehmen
gemacht.
Besonders angetan war Ziniel von der kurzen Reaktionszeit bei
COMPAREX und der hohen Flexibilität, die dafür sorgte, dass
Entscheidungen schnell getroffen wurden, wenn man sie brauchte. Ein
besonders Lob ist auch den beteiligten Mitarbeitern der Telekom
Austria, den Netzwerktechnikern der Partnerbanken sowie den
Mitarbeitern der Netzwerkgruppe der APSS auszusprechen, die in
perfekter Zusammenarbeit die fehlerlose Umschaltung aller nationalen
und internationalen Leitungsverbindungen bewerkstelligt hatten.
Mit
dem neuen Standort habe man wesentlich an Sicherheit gewonnen, blickt
Erwin Ziniel zufrieden auf die Übersiedlung zurück. Zusätzlich zu den
baulichen Gegebenheiten und einer Reihe sicherheitstechnischer
Gebäudemaßnahmen werden alle Geräte in den Rechenzentren von schwenk-
und drehbaren Kameras überwacht. Interessant ist auch, dass die neue
Location - völlig unüblich - von drei Wählämtern versorgt wird, was die
Verfügbarkeit der Datenleitungen in höchstem Ausmaß sicherstellt. Zudem
haben beide Rechenzentren jetzt Raumreserven von rund 30 Prozent. Doch
das beinhaltet gleich die nächste Aufgabe für den tatkräftigen Leiter
des Operatings und sein Team: Es stehe, so Ziniel, in naher Zukunft ein
die Hardware betreffender Technologiewechsel bevor. Deswegen wurde
bewusst Platz für neue Maschinen gelassen und auch die physikalische
Verkabelung im Raum ist bereits für die neue Infrastruktur vorbereitet.
Fakten & Zahlen zu APSS
Die Austrian Payment Systems Services (APSS) ist österreichs
führender Payment Processor. Sie gehört den Kommerzbanken und der
Österreichischen Nationalbank als größtem Anteilseigner und sorgt für
eine reibungslose Abwicklung des bargeldlosen, kartengestützten
Zahlungsverkehrs. Im Auftrag der Banken und Kreditkartenorganisationen
entwickelt die APSS Software für Bankomaten und POS-Kassen ebenso wie
Projektlösungen für den Handel. Im Inland betreut die APSS rund 70.000+
Bankomatkassen sowie 7.000+ Geldausgabeautomaten. An diesen Geräten
werden pro Jahr von Konsumenten rund 110 Millionen Bargeldabhebungen
und zirka 190 Millionen bargeldlose Zahlungen abgewickelt. Das
Datenvolumen ist gigantisch: 2,5 Terabyte an Daten werden in dem in
einem Hochsicherheitstrakt untergebrachten Rechenzentrum verarbeitet -
redundant sichergestellt von einem parallel geschalteten Rechenzentrum.
Die APSS-Statistik weist Spitzenwerte von 170 Transaktionen pro Sekunde
aus, das sind pro Minute 10.200 Transaktionen. Am transaktionsstärsten
Tag des Jahres 2002 wurden 1,9 Millionen, also sogar 223 Transaktionen
pro Sekunde abgewickelt. Im Jahr 2002 wurden mehr als 300 Millionen
Transaktionen in Österreich abgewickelt, eine Zahl, die sich durch die
Osteuropa-Aktivitäten der APSS in den nächsten Jahren möglicherweise
vervielfachen wird.